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MEGAfon

Juni-25. August 2013

Einweihung
Einweihung/Inauguration: 19. Juni 2013, 18 h

Installationsdauer/Duration of Installation:
20. Juni-25. August 2013

MEGAfon ist eine Referenz an den Ort und seine wechselvolle Geschichte politischer Demonstrationen von der Weimarer Republik bis in die Wendezeit. In dieser Tradition darf und soll die Skulptur von jeder und jedem im Sinne eines Speakers‘ Corner genutzt werden.

Durch das MEGAfon klar und laut zu sprechen, erfordert Mut, Entschiedenheit und physische Anstrengung, da die Skulptur ohne elektronischen Verstärker auskommt. Ihr Resonanzkörper wirkt wenig lautverstärkend, die Stimme jedoch leicht verfremdend.

MEGAfon wirft die Frage auf, wer in unserer Gesellschaft zu Wort kommt, wer sich wie Gehör verschafft. Es ist im hundersten Jahr seit Errichtung der Volksbühne eine Bühne und Plattform für das Volk, für diejenigen, die sich öffentlich äußern wollen, für Selbstdarsteller genauso wie
für politisch Aktive.

mit Unterstützung des/with support of
Verein zur Förderung von Kunst und Kultur am Rosa-Luxemburg-Platz e.V
Stiftung Kunstfonds Bonn
Bezirkskulturfonds des Bezirksamts Berlin Mitte

MEGA fon Performances
Im Rahmen des Projekts MEGAfon von Thomas Kilpper möchten wir Sie ganz herzlich zu den ersten drei Performances am Rosa-Luxemburg-Platz einladen. Bitte beachten Sie die unterschiedlichen Anfangszeiten.

Sonntag, 11.August, 13:00 Uhr
Artur van Balen: „The Internationale“ goes international.
Durch das Singen der „Internationale“ in verschiedenen Sprachen bezieht sich Artur van Balen auf einen wichtigen Aspekt der Geschichte des Rosa-Luxemburg-Platzes und der Arbeiterbewegung.

Dienstag, 13. August, 21:00 Uhr
Katja von Helldorff: cosas raras – para Rosa Luxemburg
In der Reihe „cosas raras“ („weird stuff“) ist diese #3: eine 15 minütige poetische Rede über Backsteine, Zeit und Liebe, Rosa Luxemburg gewidmet.

Donnerstag, 15. August, 20.30 Uhr
Kerstin Cmelka featuring Daniel Laufer: Nora
Mikrodrama von Kerstin Cmelka featuring Daniel Laufer. Text: Henrik Ibsen, „Nora. Ein Puppenheim“, 3. Akt, letzte Szene.
„Nora. Ein Puppenheim“ wurde 1879 verfasst und in Kopenhagen uraufgeführt, 1880 in den ersten deutschen Fassungen in Hamburg und
München inszeniert sowie 1890 in das Programm des Eröffnungsjahres der „Freien Volksbühne Berlin“ aufgenommen.

Samstag, 17. August, 16:00-20:00 Uhr,
jeweils 10-minütige Leseproben.
Achim Lengerer: Proben zu Peter Weiss
19. Januar 1970, Schauspielhaus Düsseldorf: Nach tumultartigen Szenen muß die öffentliche Generalprobe des Stückes „Trotzki im Exil“ von Peter Weiss nach dem 1. Akt abgebrochen werden. Zwei Dutzend Demonstranten stürmen auf die Bühne und machen Klamauk. Das spontan aus allen Reihen des Publikums gebildete Ensemble leitet die Aufführung „Trotzki im Exil“ mit einem Tanz ein.
Stephan Geene: feierliche abkehr of megafonal. forever oder immerhin now
22:00 Uhr Stephan Geene deutet das Megafon.

Sonntag, 18. August, 16.30 Uhr
Christel Gbaguidi:La Republique en Fuite/Die Flüchtige Republik
„Die Flüchtige Republik“ ist eine prozessorientierte und pädagogische Zusammenarbeit mit sogenannten „Immigranten und Flüchtlingen“.
Im Rahmen der Durchführung der Nord-Phase des Projekts: „MIGRATION UND ICH Teil 3: Über die Brücken der Künste zur gemeinsamen Heimat Erde“ haben von März bis Juni 2013 einige Bewohner des Protestcamps am Oranienplatz, Berlin, in Workshops die Chance wahrgenommen, selbst das Wort zu ergreifen und ihre eigene Geschichte, Anekdoten, Aussagen zu ihrer Auswanderung oder Flucht, ihre Wege nach Deutschland, ihre Erfahrungen als Flüchtlinge, das Zusammenleben mit den anderen Menschen, mit denen man dasselbe Flüchtlingsleben und den gleichen Raum teilt, zu erzählen.„Die Flüchtige Republik“ lädt die Menschen dieser globalisierten Welt ein zur Reflexion über die Begriffe „Identität“ und „Illegalität“ und eröffnet zugleich einen Raum des Austauschs zwischen Spielern und Zuschauern zum Thema Migration.

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At Wang’s

November 5 -17, 2012

Ausstellungseröffnung im ehem. chinesischen Restaurant
Budapest 1114, Bartók Béla út 29.
Eröffnung: 5. November, 18 Uhr
Öffnungszeiten: 5. – 17. November, 16-19 Uhr

Teilnehmender Künstler:
Mike Ainsworth, Sós József, Zékány Dia, Aubrey Ramage Lay, Davor Paponja, Laura Arena, Levko Esztella, Erlich Gábor, Kis Judit, Pálinkás Bence György, Bogyó Virág (PR Csoport), Hódi Csilla (PR Csoport)

Ein Workshop, geleitet von:
Thomas Kilpper

Die von IGOR METROPOL organisierte Initiative „Social Responsibility in Art Today“ (SRIAT) besteht aus einem Künstlerworkshop, einer Ausstellung bei Wang und einer öffentlichen Diskussion im Ludwig Museum.
Ziel des Projekts ist es, die Möglichkeiten der Kunst als Faktor des sozialen Wandels mit verschiedenen Mitteln zu erforschen. Ziel von SRIAT ist es, einen Zeitrahmen und Raum für experimentelle Ansätze zu relevanten Themen wie Meinungsfreiheit, häusliche Gewalt, Nationalismus/Internationalismus, Identität, Kapitalismus, Demokratie…. zu schaffen und ein kollektives künstlerisches Arbeitsfeld einzuführen.
Der Workshop wird vom Berliner Künstler Thomas Kilpper geleitet. Nach einer offenen Ausschreibung wurden 12 Teilnehmer aus dem In- und Ausland ausgewählt, um mit Kilpper in einem Think-Tank-Format zusammenzuarbeiten.
Die Teilnehmer arbeiten in Wang’s, einem ehemaligen chinesischen Restaurant. Die Wände des Restaurants wurden in ein „offenes Tagebuch“ verwandelt, das von den Teilnehmern ständig aktualisiert wird. Der innere Teil des Raumes wurde durch die Innenarchitektur des formalen Restaurants in einen Unterschlupf verwandelt. Der Unterstand ist auch ein Ort für persönliche Aussagen der Teilnehmer.
Dazu kommen Sound- und Videoinstallationen, Interventionsdokumentationen und eine Live-Performance. Der Ort wurde während des Workshops, während des zweiwöchigen Prozesses, kontinuierlich verändert.
Die Teilnehmer erkunden verschiedene politisch oder kulturell aufgeladene Orte in Budapest. Die Demonstrationen des Nationalfeiertags am 23. Oktober dienten als Feldstudie zur Untersuchung der politischen Situation in Ungarn. Sie richteten sich gegen eine Reihe von öffentlichen Statuen, darunter Ronald Reagan, ein bronzener Polizist, unter anderem. Diese „Guerillaskulpturen“ befassen sich mit sozialen und politischen Fragen wie dem Verbot des Müllabwurfs oder der Zensur. Die Dokumentation wird auf gefundenen Videobändern angezeigt, die sich auf DIY-Taktiken des politischen Aktivismus beziehen.

Das Projekt SRIAT: „Social Responsibility in Art Today“ wurde von der Igor Metropol Association in Zusammenarbeit mit den Abteilungen Intermedia, Art Theory und Curatorial Studies der Ungarischen Universität für Bildende Kunst in Budapest organisiert. Unterstützt von: ifa und NKA.

www.igormetropol.org

Vom Maghreb lernen @ Museo Marino Marini, Villa Romana and déjà.vu

30. Juni 2011

Museo Marino Marini, Villa Romana and déjà.vu präsentieren

THOMAS KILPPER

Vom Maghreb lernen. Wie kann man unerwünschte Präsidenten loswerden?

mit Emanuela Ascari, Astrid Auberger, Giulia Cenci, Eva Geatti, Maria Gleu, Ozan Erme Han, Cemile Kaptan, Daniela Spagna Musso, Alia Scalvini, Dominique Vaccaro, Eugenia Vanni, Johannes Wagenknecht. Kuratiert von Lelio Aiello — 30.06.2011, 18:30 Uhr

Im Juni veranstaltete der Künstler Thomas Kilpper (Deutschland) einen Workshop mit dem Titel Learning from Maghreb. Wie wird man von ungeliebten Präsidenten befreit? in Villa Romana, Florenz. Im Einklang mit den Erfahrungen der letzten Jahre hat das work.lab den Fokus auf den Alltag und seine territorialen, sozialen und politischen Implikationen gelegt. Es hat Fragen über die Rolle des Künstlers in der Gesellschaft gestellt und wie man soziale Fragen durch Kunst angehen kann. Für wen produzieren wir Kunst? Welche Rolle spielt die Kunst im Kampf um soziale Emanzipation und Gleichberechtigung? Könnten künstlerische und ästhetische Strategien für den sozialen Wandel entwickelt werden?
Der Workshop hat zwölf Teilnehmer an der Realisierung eines Kunstwerks im Eingangsbereich des Museo Marino Marini beteiligt, für das recycelte Materialien verwendet wurden. Die Installation wurde im Rahmen von Skulptur und Architektur unter aktiver Beteiligung der Gruppe erarbeitet.

Die zwölf Teilnehmer wurden von dem Komitee ausgewählt, das sich aus Lelio Aiello (Kuratorin des work.lab), Angelika Stepken (Direktorin der Villa Romana), Alberto Salvadori (Direktor des Marino Marini Museums) und Thomas Kilpper (Künstler) zusammensetzt.

work.lab ist Teil von déjà.vu, einem in Bologna geborenen Projekt, das seit vier Jahren eine Studie durchführt, die international renommierte Künstler, Studenten und öffentliche Orte in einer Dimension des Dialogs und der Partizipation umfasst.

Die Villa Romana ist ein 1905 vom deutschen Künstler Max Klinger in Florenz gegründetes Gebäude, das als Forum für zeitgenössische Kunst fungiert, das durch Ausstellungen und verschiedene Initiativen einen fruchtbaren Dialog mit der lokalen Realität fördert und kooperative Beziehungen zu interessanten Partnern fördert. Jedes Jahr vergibt sie einen internationalen Preis für Künstler, die für ein Jahr eine Residenz anbieten.

Das Marino Marini Museum ist eine Stiftung, die die Erhaltung, den Schutz, die Entwicklung und die Ausstellung der Werke von Marino Marini in der Öffentlichkeit sowie die Verwaltung des Museums in der ehemaligen Kirche von San Pancrazio in Florenz gewährleistet. Sie fördert kulturelle Veranstaltungen und Ausstellungen, die Künstlern und Themen vom 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart gewidmet sind.

aritmia ist eine kulturelle Vereinigung mit Sitz in Bologna, die künstlerische Experimente und Produktionen fördert, die der zeitgenössischen Kultur am nächsten kommen.

work.lab2011
Imparare dal Maghreb. IT
Museo Marino Marini, Villa Romana e déjà.vu
sono lieti di presentare

THOMAS KILPPER
Imparare dal Maghreb. Come sbarazzarsi dei presidenti non desiderati?

con Emanuela Ascari, Astrid Auberger, Giulia Cenci, Eva Geatti, Maria Gleu, Ozan Erme Han, Cemile Kaptan, Daniela Spagna Musso, Alia Scalvini, Dominique Vaccaro, Eugenia Vanni, Johannes Wagenknecht. a cura di Lelio Aiello —— 30.06.2011, ore 18:30

Il Museo Marino Marini inaugura giovedì 30 giugno alle ore 18.30 Imparare dal Maghreb. Come Sbarazzarsi dei Presidenti Indesiderati? Un’installazione che coinvolge la zona d’ingresso del Museo, realizzata con materiali di riciclo frutto del laboratorio „work.lab“, a cura di Lelio Aiello, tenutosi a Villa Romana da Thomas Kilpper con dodici giovani artisti italiani e internazionali.

Thomas Kilpper (Stoccarda 1956) residente a Berlino, invitato ad esporre alla Biennale di Venezia nel padiglione Danese, è noto per i suoi lavori che intervengono in specifici contesti sociali e politici. L’artista, borsista nel 2011 a Villa Romana, Firenze, ha tenuto per due settimane, nel mese di giugno, un laboratorio. I dodici partecipanti selezionati da una commissione formata da Lelio Aiello (curatore work.lab), Angelika Stepken (Direttore Villa Romana), Alberto Salvadori (Direttore Museo Marino Marini), e dallo stesoo Kilpper sono: Emanuela Ascari (Maranello, 1977); Astrid Auberger (Berlin, 1986); Giulia Cenci (Cortona, 1988); Eva Geatti (Bologna, 1981); Maria Gleu (Nurberg, 1988); Ozan Emre Han (Istambul, 1985); Cemile Kaptan (Istambul, 1977); Daniela Spagna Musso (Bologna, 1975); Johannes Wagenknecht (Bulgaria, 1987); Alia Scalvini (Desenzano, 1980); Dominique Vaccaro (Bologna, 1980).

In linea con le esperienze degli anni passati il laboratorio ha focalizzato l’attenzione sul quotidiano e sulle sue implicazioni territoriali, sociali e politiche. Ha posto interrogativi sul ruolo dell’artista nei confronti della società e su come affrontare questioni sociali attraverso l’arte. Per chi si produce arte? Quale ruolo ha l’arte nella lotta per l’emancipazione e/o l’uguaglianza sociale? Si possono sviluppare strategie artistico-estetico per il cambiamento sociale?
Il laboratorio ha coinvolto i dodici artisti nella realizzazione di un’opera nell’area d’ingresso del Museo Marino Marini, per la quale sono stati utilizzati materiali di riciclo, elaborando una installazione al confine tra scultura e architettura, che ha preso forma attraverso la partecipazione attiva del gruppo.

Con il sostegno del Museo Marino Marini, di Villa Romana, della Fondazione del Monte di Bologna e Ravenna. Col patrocinio del Comune di Firenze, Media partner Brainstorming art project, UndoNet, Exibart, Edizioni Zero.

work.lab s’inserisce nell’ambito di déjà.vu, il progetto bolognese che da cinque anni porta avanti una ricerca sui linguaggi del contemporaneo che include artisti, studenti, pubblico e luoghi, in una dimensione dialogica e partecipativa.

Villa Romana è una struttura fondata a Firenze nel 1905 dal pittore tedesco Max Klinger e si pone come un forum di arte contemporanea che intesse, attraverso mostre e varie iniziative, un proficuo dialogo con la realtà locale, promuove rapporti di cooperazione con partner interessanti. Istituisce annualmente un premio internazionale per giovani artisti che si concretizza in una residenza di un anno.

aritmia è un associazione culturale con sede a Bologna e promuove le sperimentazione e le produzioni artistiche maggiormente aderenti alla cultura contemporanea.

Con il patrocinio del Comune di Firenze

info: info@dejavu-bo.it – www.dejavu-bo.it – www.museomarinomarini.it – www.villaromana.org
Media partner UnDoNet, Exibart, Edizioni Zero

piazza san pancrazio
50123 firenze, italia
t +39 055 219432
www.museomarinomarini.it

Revolutionäre freie Rede – ein Workshop

24. – 25. Juni 2011

Thomas Kilpper
Revolutionäre freie Rede – ein Workshop mit Vorträgen und Performances anlässlich von Speech Matters, einer von Katerina Gregos kuratierten Gruppenausstellung im dänischen Pavillon auf der 54. Internationalen Kunstausstellung – la Biennale di Venezia

Workshop Flyer  [PDF]

Freitag, 24. Juni

2:00 – 3:00 Regina Wamper „Beyond Freedom of Speech“
3:20 – 5:10 Jakob Jakobsen„The Cultural Battle in Denmark since 2001“
4:40 – 5:10 (salong) Lärmperformance mit jungen Künstlern und Studenten der Akademie der Bildenden Künste, München
5:30 – 6:00 ReBiennale„Beyond the Venice Biennale“ – soziale und ökologische Aktivitäten in Venedig.
Danach gibt es Essen und eine Party im Sozialzentrum „El Morion“ in der Calle del Morion, das vom Netzwerk der Biennale betrieben wird.

Samstag, 25. Juni

11:30 – 12:30 Gáspár M. Tamás„Beyond Revolution“
2:00 – 3:00 Salah Methnani„Beyond Migration“ – Der Zorn des Maghreb und der arabischen Welt, Inwieweit gehört „Redefreiheit“ und die „Bewegungsfreiheit“ zusammen….?
4:00 – 4:30 Thomas Kilppergibt einen Tour zu seiner Arbeit
5:00 – 5:30 (salong)Lärmperformance mit jungen Künstlern und Studenten der Akademie der Bildenden Künste, München

Guided Tour @ State of Control

© Neuer Berliner Kunstverein / Jens Ziehe

Donnerstag, 16. Juli 2009, 17 Uhr – Treffpunkt Eingang Ausstellung „State of Control„, ehemaliges Ministerium für Staatssicherheit der DDR, Normannenstr. 19, 10365 Berlin.

Zuerst kurzer Besuch der Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße (Stasi-Museum), anschließend Ausstellungsrundgang zusammen mit Thomas Kilpper (Künstler) und Sophie Goltz (Kommunikation / Kunstvermittlung n.b.k. )

rock&metal vs. state of control @ normannenstr.19

Herzliche Einladung zum Live-Konzert
Donnerstag, 09. Juli 2009,
ab 20 Uhr
Ehemaliges Ministerium für Staatssicherheit der DDR
Normannenstraße 19 – 10365 Berlin-Lichtenberg

Erste Stufe Haifisch – Katrin Plavcak, Rudi Fischerlehner, Bihn und R. Ockstroh – aus Berlin
Victim – Pub Fight, Car Crash & Iron Fist – aus London

rock&metal vs state of control @ normannenstr.19

State of Control @ ehemaliges Ministerium für Staatssicherheit – Normannenstraße 19

State of Control – Out of Control – (Arbeitstitel)

In der Normannenstraße 19 – einem Gebäude des ehemaligen Ministerium für Staatssicherheit – wird ein überdimensionaler ,Linolschnitt‘ im Fußbodenbelag entstehen; 800 m2 PVC-Bodenbelag bilden dafür das Ausgangsmaterial.

Ich schneide in die vorgefundene Substanz dieses aufgeladenen Ortes, um ihn mir ,anzueignen‘. Es entstehen Bilder aus dem Zusammenhang ,Staatliche Überwachung und Strategien ihr zu begegnen‘. Ich schreibe sie in diesen Ort ein und transformiere damit seine ,Basis‘ – den Boden – in einen Stempel. Ein zeitgeschichtlich umstrittener, verlassener Ort wird neu ‚besetzt‘, wieder belebt und neu definiert.

PVC-flooring – Normannenstraße 19 – Stasi-HQ – Berlin

State of Control (Arbeitstitel / Konzept)

Konzept für ein Kunstprojekt in dem Gebäude Normannenstraße 19 in Berlin Lichtenberg, ehemaliges Ministerium für Staatssicherheit der DDR

In der Normannenstraße 19 entsteht ein überdimensionaler „Linolschnitt“ im Fußbodenbelag des Gebäudes; zwei große Säle mit über 800 m2 PVC-Bodenbelag bilden dafür das Ausgangsmaterial.
Ich schneide direkt in die vorgefundene Substanz dieses aufgeladenen Ortes und schreibe mich mit Bildern und Worten in ihn ein. Ich breche den Widerstand seines Materials: das Gebäude bzw. sein Boden wird in einen riesigen Stempel transformiert. Ein zeitgeschichtlich umstrittener und seit Jahren verlassener Ort wird wieder belebt, neu besetzt und neu definiert.
Nach der Produktion des Linolschnitts wird dieser auf 3 Meter breite Stoffbahnen gedruckt und vernäht. Anschließend wird der Ort und die künstlerische Intervention der Öffentlichkeit mit einer Ausstellung zugänglich gemacht.
Die sechswöchige Ausstellung in der Normannenstraße bietet die Möglichkeit, an der Außenfassade den Gesamtabdruck (ca. 18 Meter hoch und 30 Meter breit) und im Inneren des Gebäudes zahlreiche einzelne Drucke sowie die gesamte Bodenarbeit zu präsentieren. Hier können Besucher über das Kunstwerk – den Druckstock – gehen, die Druckergebnisse hängen von der Decke und an den Wänden. Der Betrachter befindet und bewegt sich zwischen „positiv“ und „negativ“ – die Bodenarbeit und ihre Abzüge werden zur Installation.
Es ist von besonderer Bedeutung, den Boden für diesen Eingriff zu nutzen, weil er im wahrsten Sinn des Wortes „fundamental“ und Ausgangsbasis für alle unsere Aktivitäten ist. Wichtige Ereignisse, Zusammenstöße, Geschichte – alles schreibt sich hier sedimentartig ein – der Boden ist Bedeutungsträger, in den man sich eingraben muss, will man fündig werden.
Der Prozess der Annäherung und des Arbeitens mit dem Bodenmaterial versinnbildlicht für mich den Umgang mit der Stasi – ein offener Prozess, um die Ablagerungen und Sedimente freizulegen.

Inhaltliche Bestimmung und Hintergrund

Verlassene, funktionslose Gebäude als künstlerisches Ausgangsmaterial finden seit vielen Jahren mein Interesse: Zum einen, um mir jenseits des institutionellen Kunstbetriebs den „toten“ Raum anzueignen und zu besetzen und damit neue Spiel- und Wirkungsräume für die Kunst zu öffnen. Zum anderen ist es die gesellschaftspolitische Dimension: Das Phänomen „Leerstand“ in den urbanen Ballungszentren ist die Folge eines zunehmend von Spekulation und Gewinnmaximierung bestimmten Immobilienmarktes. Die Intervention in diese brachliegende Ressource hat daher auch eine gesellschaftliche Dimension und Bedeutung. Indem ich Bezüge herstelle zur sozialen Funktion und Geschichte des Ortes, können meine Eingriffe durchaus verglichen werden mit dem Versuch, vergessene Erinnerung mittels Psychoanalyse zu reaktivieren.

Das seit ca. 10 Jahren leerstehende Gebäude Normannenstraße 19 in Berlin Lichtenberg war Teil des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Hier gab es für die Bediensteten und Agenten neben Einkaufsmöglichkeiten in Intershops ein Kino, Kantine und Festsaal. Wenige Wochen nach Maueröffnung und „Wende“ wurde das Gebäude im Januar 1990 von zahlreichen BürgerInnen der ehemaligen DDR besetzt und nach Akten durchsucht. Kaum ein Ort in Berlin wurde heftiger abgelehnt, ja gehasst als dieser.
Die diesem Ort eingeschriebene Thematik von Überwachen und Strafen ist inhaltlicher Ausgangs- und Referenzpunkt meiner Intervention.
Es geht sowohl um eine kritische Auseinandersetzung mit der ehemaligen Staatssicherheit der DDR, als auch um eine geschichtliche Rückschau auf verschiedene staatliche Konzepte von Überwachung und Repression – vom mittelalterlichen Pranger über den NS-Blockwart, Rasterfahndung bis zur digitalen Gegenwart, Personen aus dem Weltall via GPS und Mobiltelefone zu orten.
„Telefonüberwachung, Rasterfahndung, Lauschangriff, staatlicher Zugriff auf Bankkonten, Videoüberwachung, Vorratsdatenspeicherung, geheime Durchsuchung
privater Computer, zentrale Speicherung digitalisierter Fingerabdrücke, Militäreinsatz im Inneren, Abschuss von entführten Zivilflugzeugen …“ (Heribert Prantl, in Der Terrorist als Gesetzgeber, Wie man mit Angst Politik macht. Verlag Droemer Knaur 2008) – in diese Richtung gehen ständig neue Vorstöße, die von der Politik unter dem Stichwort „Kampf gegen den Internationalen Terrorismus“ auf den Weg gebracht werden. Sie werfen immer wieder die Frage auf nach dem Verhältnis zwischen bürgerlichen Freiheitsrechten auf der einen und staatlicher Kontrolle auf der anderen Seite. Dieses Verhältnis wird zunehmend verschoben zu Lasten der Freiheiten und zu Gunsten des staatlicher Überwachung. Diese Entwicklung und ihre impliziten Widersprüche werden in dem Projekt im Sinne eines emanzipatorischen Diskurses und einer zivilgesellschaftlichen Auseinandersetzung Freiheitsrechte vs. Staatsmacht – Datenschutz vs. Sicherheit zur Diskussion gestellt.
Auch wenn problematische Tendenzen zu überzogener Überwachung zu beobachten sind, so gibt es doch gleichzeitig vielfältige Initiativen, diese obrigkeitsstaatlichen Maßnahmen zu unterwandern und in Frage zu stellen. Auch diese Impulse von Resistenz sollen in die Arbeit einfließen.
Darüber hinaus lotet das Projekt aus, inwieweit Kunst – in Zeiten einer dominanten Marktorientierung – in der Lage ist, universelle Inhalte wie die Idee von „Freiheit“ als einen aktuellen gesellschaftlichen Lebensentwurf zu vermitteln und zu transportieren.

Förderung

Dieses arbeitsintensive und vielschichtige Projekt benötigt eine substantielle finanzielle Förderung, um realisiert werden zu können. Es hat das Potential, in und über Berlin hinaus als ein wichtiges Kunstprojekt wahrgenommen zu werden und eine gesellschaftliche Debatte in der breiten Öffentlichkeit anzustoßen.

Thomas Kilpper
Berlin, im April 2008

Al hissan – the jenin horse | 2003

Al Hissan – Das Jeninische Pferd
Kunst im öffentlichen Raum unter Besatzungsbedingungen

Auf Einladung des Goethe-Instituts Ramallah habe ich einen mehrwöchigen Kurs geleitet. Workshop mit palästinensischen Jugendlichen in Jenin im Sommer 2003.

Gemeinsam bauten wir ein 5 Meter großes Pferd aus geschnörkeltem Metall, das aus einem zerstörte Häuser und Autos. Das Pferd wurde anschließend durch die Anlage geschleppt. Straßen von Jenin und, zu einem späteren Zeitpunkt, fast 200 km entfernt durch die besetzten Gebiete. Gebiete des Westjordanlandes.

Tagebuch 22. März – 23. Juli 2003

Projekte | London | 2002/03

making mice and rats artists & artlab II

Queen Mary College, Turner Building
Whitechapel Campus, London 2002

artlab II und making mice and rats artists (in Zusammenarbeit mit dem Künstler Alex Hamilton) war der Versuch, das leerstehende mikrobiologische Forschungslabor (Turner Building) der Queen Mary Universität in London zu einem experimentellen Kunstlabor umzuwidmen.


1. Bei making mice and rats artists sollten in Zusammenarbeit mit dem Künstler Alex Hamilton in einem architektonischen Ensemble aus der zurückgebliebenen Laboreinrichtung und präparierten Leinwänden / Bildträgern Mäuse und Ratten so gehalten werden, daß sie die Bilder anfressen und damit zu Kunstwerken machen bzw. zu den Autoren / Künstlern werden. In Großbritanien gibt es breite Widerstände gegen jegliche Form von Tierversuchen. Darauf hat die Arbeit u.a. gezielt. Das Projekt konnte nicht realisiert werden, da die Hochschulleitung die Tatsache der Tierversuche in ihrem Hoheitsbereich lieber verschweigen wollte.

2. Im Rahmen von artlab II sollten zudem Ausstellungen, Performances oder Vorträge eingeladener Künstler, Wissenschaftler und Architekten im Turner Building stattfinden. Ausgangspunkt der Planungen war der spezifische Ort – einerseits die Whitechapel-Area mit bis zu 60% Immigranten-Anteil vornehmlich aus Asien, andererseits die Virus-Forschung des medizinischen Instituts (u.a. HIV, Anthrax…)

Raheres freies Gästehaus und interdisziplinärer Workshop

Interdisziplinärer Workshop auf Brachfläche
der Medical School des Queen Mary College
Charterhouse Square, London 2002/03
mit Studenten der
Architecture Association und des Royal College of Art

Dieses Projekt war auf einer der letzten, vom 2.Weltkrieg herrührenden, Brachflächen im Zentrum von London, geplant. In Zusammenarbeit mit Jo Stockham, Dozentin am Royal College of Art, war ein interdisziplinärer Workshop mit Studenten von drei Disziplinen, Architekten, Künstler und Mediziner, vorgesehen. Unter meiner Anleitung sollte ein provisorischer Klassenraum und ein Helter-Skelter-Turm errichtet werden. Ausgangsmaterial sollte ein großer Berg ausrangierter Möbel der Hochschule sein. Das Curriculum sollte Dozenten verschiedener Disziplinen und überschneidende Themen (Medizin, Kunst, und Architektur) umfassen. Über Monate war eine Genehmigung der Hochschule in Aussicht gestellt, die in der entscheidenden Phase jedoch aus nicht erläuterten Gründen leider ausgeblieben ist.

Happy together | Frankfurt-Preungesheim | 1998-2000

Projekt im Knast Frankfurt-Preungesheim, 1998-2000
Vom Justizministerium nicht genehmigt.

Skizze 
HAPPY TOGETHER. Thomas Kilpper 2001
Ich hatte die Absicht, im leerstehenden Männergefängnis Frankfurt-Preungesheim, JVA I, eine künstlerische Arbeit durchzuführen. Ich plante einen physischen Eingriff, der mehrere Wochen in Anspruch genommen hätte. Im Anschluß daran sollte das Ergebnis als Ausstellung vor Ort präsentiert werden. Dieses Projekt wäre in vielerlei Hinsicht zur Herausforderung für mich geworden. Ich wollte an diesem durch und durch feindlichen Ort arbeiten, den ich aus eigener Erfahrung kenne und der aufgeladen ist mit Aggression und Gewalt wie kaum ein zweiter. Gefängnis: der Ort systematisierter Entsozialisierung und Deprivation. In dieses System wollte ich so massiv wie möglich eingreifen – einschneiden in die Stahltüren, die Zellenwände und -böden, Bilder und Texte herstellen, die mit dem ganzen Komplex staatlichen Strafens im Zusammenhang stehen. Daneben sah mein Entwurf eine Arbeit im Außenraum vor: auf dem Dach wollte ich die Worte „happy together“ anbringen. Gleichsam einem Werbeslogan oder Konzernlogo sollten sie weithin sichtbar auf diesen Ort aufmerksam machen. Ein Hinweis, daß staatliches Strafen in früheren Zeiten – in zahlreichen Ländern ist es heute noch so – vor allem ein öffentlicher Akt war. So wie Strafe – und insbesondere der Freiheitsentzug – hier und heute praktiziert wird, findet sie vorwiegend hinter hohen Mauern, quasi im Verborgenen statt.

Im Oktober 1998 stellte ich dem damaligen Hessischen Justizminister Rupert von Plottnitz (die Grünen) mein Konzept schriftlich vor und bat um eine Genehmigung. Ich erhielt dabei Unterstützung sowohl von Kasper König, dem damaligen Rektor der Städelschule, als auch von Claudia Scholtz, der Geschäftsführerin der Hessischen Kulturstiftung. Doch außer einer Ortsbesichtigung in Begleitung des ehemaligen Gefängnisleiters und eines Angestellten aus dem Justizministerium konnte ich nichts erreichen. Die Begründung lautete: über den Abriss sei noch nicht entschieden. Mir kam dies wie ein Vorwand und nicht wie ein einleuchtender Grund für eine generelle Ablehnung vor, denn ich hatte von Anfang an deutlich gemacht, gegebenenfalls auf Eingriffe in die Gebäude-Substanz zu verzichten und lediglich mit Video, Fotografie und Linolschnitt zu arbeiten. Es wurde mir „anheimgestellt”, mich bei veränderter Sachlage erneut an das Ministerium zu wenden.

Im Mai 2000 erfuhr ich aus der Presse, daß die Entscheidung zum Abriß gefallen war. Ich schrieb erneut an das Justizministerium – inzwischen Teil der CDU-geführten Landesregierung. Aufgrund deren konservativer Ausrichtung waren meine Erwartungen nicht sehr groß. Wie zur Bestätigung erhielt ich rasch eine erneute Absage, nun mit der Begründung, daß die Abrißarbeiten „in Kürze beginnen werden“. Faktisch hat es noch über 6 Monate gedauert, bis die Bagger anrückten.

Rot-grüne Regierung hin, schwarz-gelbe her – ein künstlerischer Eingriff in einem ehemaligen Gefängnis ist bei der Hessischen Justiz unerwünscht. Ob es der zu befürchtende öffentliche Blick hinter die Gefängnismauern und Zellentüren oder meine kritische Haltung gegenüber Strafvollzug und Staat war, die für die Ablehnung ausschlaggebend waren, sei dahingestellt. In jedem Fall ist es ein kulturelles Armutszeugnis.

Die Entscheidung zur Schließung und zum Abriß dieses Monstrums mag durch den Besuch von Vertretern der UN-Menschenrechts-Kommission beeinflußt worden zu sein. Sie hatten hier „menschenunwürdige Haftbedingungen“ festgestellt. Ein Abrücken von der Politik des Kriminalisierens und Wegsperrens signalisiert sie jedenfalls nicht, denn die nächsten Knastbauten sind bereits geplant, die Fundamente schon ausgehoben, damit in Hessen mehr Gefangene als je zuvor hinter hohen Mauern, möglichst unbemerkt von der Öffentlichkeit, gefangengehalten werden können. So kommt zum kulturellen das passende politische Armutszeugnis hinzu. Das macht die Sache zwar nicht besser, aber immerhin rund.

Thomas Kilpper
Januar 2001

Beschreibung: HAPPY TOGETHER. Thomas Kilpper 1998
[Arbeitstitel für eine Künstlerische Arbeit in der ehemaligen Justizvollzugsanstalt I (JVA I) Frankfurt – Preungesheim]

Ich möchte mit meiner Arbeit auf diesen Ort, seine Funktion und konkrete Beschaffenheit formal und inhaltlich eingehen. Ich möchte in einem physischen Arbeitsprozess Bilder, die im Kontext dieses Ortes stehen, Bilder zu der Thematik „Strafe und Disziplinierung – Aggression und Verbrechen – Macht und Ohnmacht – Freiheit und Gefangenschaft“ in den Boden, die Wände und (Zellen-)Türen schneiden und meisseln. Ich würde gerne sowohl mit meiner Körperkraft als auch mit Hilfe von Maschinen wie Oberfräse, Flex / Trennschneider u.ä. durchführen. Die Arbeit würde sich auf eines der Stockwerke im Zellentrakt erstrecken. Auf der Bodenfläche könnte so einer der größten je geschaffenen „Linolschnitte“ entstehen. Der durchgängige ca. 4mm starke Kunststoffbelag scheint mir dafür gut geeignet zu sein. Die verschiedenen Motive würde ich anschließend einschwärzen und auf Stoff oder Papier abdrucken.

Einen Teil der Arbeit will ich dem Rückblick in die Geschichte des Strafens (bis zur „Geburt des Gefängnisses“) widmen.
Ein anderer Teil wäre, signigikante Äußerungen der Inhaftierten (Wandzeichnungen, Comics, Sprüche, Zeitungsartikel, etc…) in dem Gebäude systematisch zu suchen und zu photografieren und in die Arbeit einfließen zu lassen.
Ein dritter Aspekt wäre, meine subjektiven Erfahrungen (Stichwort: „Was habe ich mit dem ganzen zu tun?“) darin einzuflechten.

Dieses Projekt würde in mehrerer Hinsicht die konkrete Weiterentwicklung meiner letzten Arbeit im ehemaligen US-Militärlager Camp King in Oberursel bedeuten. Hier entstand ein riesenhafter Holzschnitt, für den die Verbindung „offizieller“ mit persönlicher Geschichte einen wesentlichen Ausgangspunkt darstellte.

Künstlerisch-technisch betrachtet, möchte ich also im wesentlichen vorgefundene Substanz „wegnehemen“ und so den Ort und Raum neu definieren. Ich praktiziere damit also das klassische bildhauerische Vorgehen schlechthin.

Ergänzend / Parallel zu dieser Arbeit im Inneren des Gebäudes möchte ich mit der Fassade und somit der Wirkung in den Außenraum arbeiten.
Die Idee ist, einen Text in großen Buchstaben um das oberste Stockwerk herumlaufen zu lassen. Z.B. „happy together“ (Rückseite), „feel me, touch me, kiss me, hurt me“ (Vorderseite zur Kreuzäckerstraße hin). Das Gebäude wird so zum unmittelbaren Bild- und Sinnträger. (Der genaue Text muß noch erarbeitet werden.)

Der Gedanke, einen Teil der Arbeit auch in den Außenraum zu orientieren, hat einen geschichtlichen Hintergrund. Strafen war in früheren Zeiten – in manchen Ländern ist es das heute noch – vor allem ein öffentlicher Akt. So wie die Strafe, insbesondere der Freiheitsentzug, hier und heute strukturiert ist, findet sie im wesentlichen hinter den Mauern, quasi im Verborgenen, statt. Dieser Teil meiner Arbeit – mit der Wirkung in den öffentlichen Raum hinein – wäre sozusagen ein Verweis auf diese Geschichte und den öffentlichen Charakter und Anspruch des Bestrafens.
Neben den hier angerissenen gibt es noch andere alternative Projektideen. Meine Präferenzen gelten aber eindeutig den hier entwickelten Vorstellungen.

Zur Realisierung:
Mein Wunsch wäre, die Arbeit im kommenden Frühjahr (März) zu beginnen. (Die Photodokumentation der Einritzungen in den Zellenwänden würde ich gerne eher erstellen, um mit den Vorbereitungen – wie z.B. die Auswahl der Motive – anfangen zu können.) Die Ermöglichung einer Ausstellung nach Fertigstellung der Arbeit an Ort und Stelle wäre natürlich sehr wünschenswert.

Meine Vorstellung ist, neben der Arbeit auf der Fassade, im Inneren des Gebäudes sowohl den Druckstock (das sog. „Negativ“) als auch die Drucke (also das „Positiv“) zu zeigen. Anhand der auf Wäscheleinen aufgehängten Drucke würde der Raum auf neue, künstlerische Art strukturiert und gegliedert.

Thomas Kilpper
Frankfurt/Main
November 1998

Rundgang

Don’t look back | Camp King Oberursel | 1998/2002

Bei don’t look back stand ich einem riesigen Raum und einer monströsen Geschichte gegenüber: das Camp King bei Frankfurt/Main wurde nach 1945 vom US-Geheimdienst zu Verhören von Nazi-Größen genutzt, hier wurde ausgesiebt, wer vor Gericht gestellt oder in amerikanische Dienste integriert wird. Im 2. Weltkrieg war der Ort das zentrale Gefangenenlager der NS-Luftwaffe, wo sämtliche abgeschossenen alliierten Piloten verhört wurden.
In der ehemaligen Basketballhalle habe ich 300qm Parkett zerschnitten und umgewandelt in einen Druckstock. Mittels Holzschnitt, habe ich mich in diesen Ort eingeschrieben und ihn quasi besetzt, um mich so seiner Geschichte anzunähern und in den Prozeß seiner Transformation – von militärischer Nutzung, Leerstand, zu Abriss, Neubau und ziviler Nutzung – zu intervenieren. Bildträger waren modernste Fasern und digital bearbeitete Poster aus der Werbung.

Don't look back von Angelika Nollert (1998)
don’t look back— Dies ist der Titel einer Arbeit des Frankfurter Künstlers Thomas Kilpper [1956] die er auf beständige. aber äußerst mühsame Weise in einer Turnhalle im ehemaligen US-Militärlager Camp King in Oberursel geschaffen hat.
Es handelt sich um einen in seinen Ausmaßen gigantischen Holzschnitt, dessen einzelne Szenen sowohl auf die Geschichte des Ortes Bezug nehmen als auch die Biographie des Künstlers reflektieren.
Das Camp King war während des Dritten Reiches zunächst Reichssiedlungshof der NS, später Durchgangslager der Luftwaffe für die gefangenen alliierten Piloten und wurde noch Ende des Zweiten Weltkrieges von der US-Armee und dem CIA übernommen. Kilpper ist geprägt von der Zeit des Kalten Krieges sowie den politischen Entwicklungen der siebziger und achtziger Jahre und setzt sich mit der Vergangenheit seines Vaters als Angehöriger der Wehrmacht auseinander. Er verweist in einigen Motiven auf sich selbst. Damit findet die allgemeine Geschichte einen Widerhall in der privaten. Die eigene Biographie wird vom Künstler vor diesem Hinterprund gespiegelt.
Seit 1993 plant die Stadt Oberursel eine zivile Neubebauung des Geländes. Aber noch heute erzeugt die Verlassenheit dieses ehemals militärischen Areals eine surreale und morbide Atmosphäre.
Die Auswahl dieses Ortes durch den Künstler folgte zunächst nicht inhaltlichen oder ästhetischen Überlequngen, sondern vor allem pragmatischen Gründen. Zur Realisierung eines überdimensionalen Holzschnittes suchte Kilpper ein zum Abriß bestimmtes Gebäude mit Parkettboden und fand in dem Eichenfußboden der freistehenden Turnhalle innerhalb des Camp King den idealen Druckstock. Die Ortswahl führte zu einer Erforschung der Örtlichkeit und inhaltlichen Auseinandersetzung mit ihr, die der Künstler in erzählerischer Falge in einzelnen Szenen auf dem Holzboden darstellt. Die einzelnen Motive hat er dann auf Papier, Tapete und Stoff gedruckt und an Leinen in den Raum gehängt. So erfährt der Besucher zugleich Positiv- und Negativabbildungen eines Motivs und durchschreitet gleichsam lesend den Raum. Die Arbeit Kilppers ist ohne den spezifischen Ort nicht denkbar. Sie ist in der Turnhalle in situ geschaffen. Eine Bewahrung der Arbeit unabhängig vom Gebäude erschien daher zunächst nicht denkbar. Das Werk hat jedach in der Bevölkerung ein Bewußtsein für die eigene Historie bewirkt, und so gibt es nun einen Plan vom Magistrat der Stadt, die Arbeit in Beton zu gießen und als „Streetball“-Feld dauerhaft zu installieren. Hierzu wurde der Boden bereits in Einzelteile zersägt und gesichert. Nun ist zu wünschen, daß der Plan auch finanziert und in der Falge realisiert wird. Damit wäre dem Ort und den von ihm abhängigen menschlichen Schicksalen ein bleibendes Zeichen gesetzt.
Keine Atempause, Geschichte wird gemacht von Martin Pesch (1998)
Zu Thomas Kilppers „Wo bitte schön kann ich meine Grauwerte wiederfinden?“

„Doch Grau enttäuscht auf farbigen Vergrößerungen immer,graue Töne sollte man möglichst vermeiden, warten, bis es aufklart.“ Felix Philipp Ingold

Geschichte, sagt man, prägt. Der Gemeinplatz vertuscht, was eigentlich geschieht: Die Menschen prägen die Geschichte. Zweifellos läßt sich das eine nicht gegen das andere aufwiegen, es bleibt eine Spannung, eine unauflösbare Dialektik, durch deren Dynamik unklar wird, ob man den Umständen gegenüber eine bestimmte Position inne hat, oder ob man sie von ihnen – den berühmten sozialen, politischen und gesellschaftlichen Umständen – zugewiesen bekommt. Und das, was man sich als Erklärung der eigenen Situation im Großen und Ganzen zurechtlegt, ist, auch wenn es pompös als Geschichte bezeichnet wird, immer nur eine Geschichte – interpretiert in gewissem Sinn, so objektiv die Darlegung auch intendiert sein mag.
Thomas Kilppers Holzschnitt in der ehemaligen Baskettballhalle auf einem geschichtsträchtigen Gelände in Oberursel, ist konkret und metaphorisch in diesem Problemfeld verortet. Mit dieser Arbeit versucht er, eine Position in der Gegenwart zu besetzen, aus der Überzeugung heraus, daß dies ohne die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit nicht möglich ist. In den Parkettboden hat Kilpper auf einer Fläche von über dreihundert Quadratmetern Motive gefräst und geschnitzt, die mit der Geschichte des Ortes, den Schicksalen der dort tätig gewesenen Menschen und seiner eigenen Biografie zu tun haben.
Die Motivreihe beginnt bei der Missionarstätigkeit von Kilppers Urgroßvater in Südostasien, sie bekommt einen ersten Schwerpunkt aber in der Zeit des 2. Weltkriegs. Das Gelände war ein Sammellager für gefangene Luftwaffenpiloten der Alliierten. Sie wurden hier verhört und interniert. In dieser Zeit herrschte eine, den Werten der sogenannten Soldatenehre verpflichteten Atmosphäre. Diese führte zu den auch von Kilpper verwendeten Äußerungen des Respekts für die verfeindeten Offiziere: „You had your job, and I had mine.“
Am Ende des Krieges wurde das Gelände von US-Streitkräften übernommen und hauptsächlich zu geheimdienstlichen Zwecken benutzt. Der Feind waren nun nicht mehr die deutschen Streitkräfte, sondern die kommunistische Sowjetunion. Mit den ehemals verfeindeten Nationalsozialisten wurde nun partiell zusammengearbeitet. Mit der „Operation Paperclip“ versuchten die US-Amerikaner, deutsche Wissenschaftler und Teile der politischen Elite für ihre Zwecke zu instrumentalisieren, und sie entbanden diese damit der Verantwortung für deren Arbeit im NS-Staat. Im Zuge dieser Aktion konnte etwa Klaus Barbie von Oberursel aus nach Bolivien entwischen. Und Reinhard Gehlen, vormals Chef des NS-Geheimdienstes „Fremde Heere Ost“, gründete in Oberursel den westdeutschen Auslandsnachrichtendienst, den Vorläufer des späteren Bundesnachrichtendienstes. Die an diesen beiden Beispielen sichtbare personelle Kontinuität und die über ideologische und politische Brüche hinweg beständigen Machtverhältnisse sind für Kilppers Arbeit ausschlaggebend. Sie verfolgt er bis in die aktuelle Zeit hinein. Das Bild der Hinrichtung eines Angehörigen des Vietcong (in Oberursel wurden US-Soldaten zur Zeit des Vietnamkriegs im Anti-Guerillakampf ausgebildet) und das Bild der Entführung von Hanns-Martin Schleyer (der als ehemaliges SS-Mitglied mit Führungsposition in Osteuropa und als späterer Präsident des bundesdeutschen Arbeitgeberverbandes Exponent der erwähnten personellen Kontinuität auf hoher politischer Ebene war) sind Beispiele dafür. Hier kommt Kilppers eigene Biografie ins Spiel. Sie ist von der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit seines Vaters als Angehöriger der Wehrmacht und den politischen Auseinandersetzungen in den siebziger und achtziger Jahren im linksradikalen Umfeld geprägt.
Durch die Bildmotive, die weder thematisch noch chronologisch streng geordnet sind, läßt Kilpper die Frage laufen: „Wo bitte schön kann ich meine Grauwerte wiederfinden?“ Diese Frage zielt auf den Verlust der Differenzierungen in der politischen Auseinandersetzung und der Beschäftigung mit der Geschichte. Nicht umsonst benutzt Kilpper als Vorlagen allgemein bekannte und medial oft verwendete Fotos. Er erleichtert damit einerseits den Zugang zur politischen Intention seiner Arbeit, weist andererseits aber auch auf den nur vermeintlich einfachen Zugang zu der historischen Entwicklung hin, in der wir stehen. Denn die verläuft keineswegs an den Polen Schwarz und Weiß, Gut und Böse. Ihr Verständnis verlangt weit mehr als eine auf simple Signalwirkung setzende mediale und pädagogische Vermittlung.
Das Klischee des Geprägtwerdens durch die Geschichte dreht Kilpper um – er benutzt es im druckgrafischen Sinn. In mühevoller und langwieriger Arbeit hat er Geschichte in den Boden gestemmt. Er hat den Geschichte zeigenden Motiven durch den Akt der körperlichen Arbeit seine Prägung gegeben. Er hat sie sich im wahrsten Sinn des Wortes angeeignet. Das Gefühl des Überwältigtwerdens von der Geschichte hat er in der Arbeit an diesem Holzschnitt in die Energie des Überwältigens umgewandelt. Daß er dabei den Parkettboden zerstört, ihn mit Kreissäge und Fräse zerschnitten hat, ist nicht der unwichtigste Aspekt. Denn der einst funktionale, für das Baskettballspiel benutzte Fußboden kann als Sinnbild einer fertiggeschriebenen und unveränderbaren Geschichte gesehen werden – die von Kilpper ihrer Autorität beraubt wird. Seine Arbeitsweise ist auch mit der des Sampelns im Hip Hop zu vergleichen. Genauso wie dort afroamerikanische Musiker bestimmte Elemente einer „weiß“ geprägten Popgeschichte verwenden, um einer eigenen Tradition bewußt zu werden, verwendet Kilpper Samples aus der „offiziellen“ Geschichte, um sie mit seiner eigenen zu konfrontieren, um sie zu seiner eigenen zu machen.
Das Problem der bloßen Umkehrung hat er formal gelöst. Denn der riesenhafte Holzschnitt ist als solcher bestenfalls eine Hälfte der Arbeit. Er ist sozusagen nur das Werkzeug für einen weiteren Schritt. Denn die gesamten Motive sind spiegelverkehrt zu sehen. Der Holzschnitt ist also ein Negativ. Von ihm wiederum kann man Abdrucke nehmen, die die Motive seitenrichtig zeigen. Er ist der Druckstock für die Bilder, die Kilpper auf verschiedene Materialen druckt. Deren Beschaffenheit und Herkunft spielen bei der Verwendung eine Rolle. Die Gardinen und Tapeten stehen für die Grenze zwischen privatem und öffentlichem Raum, während Werbeplakate und der Flaggenstoff an sich für unterschiedliche Formen der Beeinflussung durch Symbole und Identitätsangebote benutzt werden. Kilpper hängt die unterschiedlichen Drucke größtenteils an Leinen im Raum der ehemaligen Sporthalle auf und konfrontiert die Positive mit ihrem, den Boden bedeckenden Negativ. Der Betrachter findet sich in der Mitte wieder. An ihm ist es, die verlorengegangenen Grauwerte in der Auseinandersetzung mit den gezeigten Motiven und den von Kilpper gezogenen Verbindungen wiederzufinden.

Don't look back von Natalie de Ligt (2002)
„Don’t look back“ ist der Titel eines Kunstwerks, das Thomas Kilpper 1998 in der Basketballhalle des ehemaligen US-Militärgeländes Camp King in Oberursel geschaffen hat. In der leerstehenden und zum Abriss bestimmten Halle verwandelte der Künstler über mehrere Monate den gesamten, ca 250 qm großen Parkettboden in einen Druckstock. Mit Kettensäge, Oberfräse und Beitel schnitzte er Bilder und Szenen der wechselvollen Geschichte dieses Ortes in den Boden.

1937-41 „Reichssiedlungshof“, NS-Lehr- und Musteranlage zur Heranbildung bäuerlicher Siedler.
1941-45 „Dulag Luft“, Durchgangslager der Luftwaffe für Kriegsgefangene. Sammelpunkt aller gefangengenommenen alliierten Flieger zu Verhören vor der Verbringung in die sogenannten Stammlager.
1945-93 „Camp King“, Übernahme durch die US-Armee und Geheimdienstabteilungen des CIC und CIA. Vernehmungszentrum zwecks Vorbereitung der NS-Kriegsverbrecherprozesse. Unter Leitung von Reinhard Gehlen: Aufbau des BND (Bundesnachrichtendienst) aus der Wehrmachtsabteilung „Fremde Heere Ost“. Vernehmungszentrum für Ostflüchtlinge durch den US-Geheimdienst während der Zeit des Kalten Krieges.
1993-98 Aufgabe der militärischen Nutzung des Camp King. Verkaufsverhandlungen zwischen Bund und Stadt Oberursel, Planungen der Stadt für eine neue Wohnbebauung.
1999 Baubeginn für die Umwidmung in ein ziviles Wohn- und Arbeitsgebiet

„Leere Gebäude gleichen unzugänglichen, verschütteten Stätten oder verdrängten Teilen unserer Erinnerung. In ihnen hat sich einst Leben abgespielt, das schnell in Vergessenheit gerät und nicht mehr wahrgenommen wird. Ich versuche, möglichst viel davon wieder auszugraben und ins Bewusstsein zu bringen.“ (Thomas Kilpper) Metaphorisch gesprochen, gab er dem Boden zurück, was auf ihm stattgefunden hat. Das physische Eingreifen, das durchaus einer Attacke gegen den Boden gleicht, lässt auf der anderen Seite neue Bilder entstehen, eine Erzählung.
An einigen Stellen hat der Künstler Bilder seiner eigenen Geschichte mit eingeflochten, und so stellt das Werk die Frage nach dem Zusammenhang von persönlicher Biographie und kollektiver Geschichte. Die in großen Lettern hineingearbeitete, das gesamte Bild durchziehende Frage: „Wo bitte schön kann ich meine Grauwerte wiederfinden?“ geht an den Betrachter zurück, als Frage nach gesellschaftlicher Kompetenz und Verantwortung und sicherlich auch als Forderung, das Denken in Zwischentönen zu wahren.
Der monumentale Holzschnitt, der wegen seiner Ausmaße ins Guinness-Buch der Rekorde 2000 aufgenommen wurde, zeigt in eindrucksvoller Weise Aspekte der Historie dieses Ortes auf, die zugleich Synonym der Geschichte Deutschlands sind. Das Kunstwerk ist schier nicht mehr aus Oberursel wegzudenken. So haben sich bereits sehr frühzeitig die SEWO, die Stadt Oberursel, der Kultur- und Sportförderverein Oberursel sowie einige Bürger der Stadt für dessen Erhaltung eingesetzt, um es auch weiterhin der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Hierfür wurde der Holzschnitt in 120 Einzelteile von 145 x 155 cm zerlegt, um davon Negativformen aus Silikon zu gießen, die dann mit Feinbeton gefüllt wurden. Die entstandenen Platten sind im August 2002 unweit der ehemaligen Basketballhalle, vor dem Kinderhaus im Jean-Sauer-Weg, wieder zusammengeführt worden. Sie geben zum einen den ursprünglichen – spiegelverkehrten – Druckstock detailgenau wieder, zum anderen bilden sie in Anlehnung an die ursprüngliche Nutzung ein bespielbares „Streetballfield“. In dem Sinn kann das Kunstwerk auch benutzt werden – wegen all der Einkerbungen und Unebenheiten mit Vorsicht.
Am 15. September 2002 wurde das Werk der Öffentlichkeit übergeben. Es ist zu wünschen, dass es auch in Zukunft der Katalysator für eine lebendige und rege Auseinandersetzung bleibt

Thomas Kilppers gigantischer Holzschnitt ist in Beton wiedererstanden. F.A.Z., 15.09.2002 h.r. OBERURSEL.
h.r. OBERURSEL. In Oberursel ist es Kindern und Jugendlichen von morgen an offiziell erlaubt, die Kunst mit Füßen zu treten. Daran wird weder die Stadt Anstoß nehmen noch der Schöpfer des Kunstwerkes. Im Gegenteil, es wäre sogar im Sinne der Historie der mit 330 Quadratmetern Fläche monumentalen Arbeit des Frankfurter Künstlers Thomas Kilpper, darauf hin und wieder Sport zu treiben. Denn „Don’t look back“, wie Kilpper seinen 1999 geschaffenen Holzschnitt nannte, entstand ursprünglich in der Basketballhalle von Camp King. Kilppers ungewöhnliches Arbeitsmaterial war das Parkett der Turnhalle.

Mit Kettensäge, Oberfräse und Beitel schnitzte der Künstler in das Eichenholz. Es entstanden Bilder der wechselvollen Geschichte des Geländes, das von 1937 bis 1941 nationalsozialistischer Reichssiedlungshof war, anschließend für vier Jahre als Durchgangslager der deutschen Luftwaffe für Kriegsgefangene diente, bevor die amerikanischen Streitkräfte es nutzten. 1993 gaben sie den Standort Camp King auf, und die Stadt kaufte das Gelände vom Bund. Seit drei Jahren läßt sie dort neue Wohnungen bauen und die alten Fachwerkhäuser des Reichssiedlungshofs sanieren.

Kilpper sorgte mit dem ungewöhnlichen Holzschnitt weithin für Aufsehen. Wegen seiner Ausmaße wurde „Don’t look back“ vor zwei Jahren sogar in das Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen. Frühzeitig machten sich daher die Stadt, die Stadtentwicklungsgesellschaft (EWO), der Kultur- und Sportförderverein und einige Oberurseler Bürger Gedanken, wie das Werk der Öffentlichkeit auf Dauer zugänglich gemacht werden könnte. So entstand die Idee, eine Reproduktion anfertigen zu lassen. Am Sonntag nun wird dieser Nachguß der Öffentlichkeit übergeben.

Statt in Eiche ist die Geschichte des Camps nun in Beton verewigt, und statt in der Basketballhalle – die längst abgerissen wurde – liegt das Kunstwerk nun vor einem jener Fachwerkhäuser aus der Ära des Reichssiedlungshofs, in dem seit Januar das Kinderhaus von Camp untergebracht ist. Die neue Adresse heißt Jean-Sauer-Weg 2, und es firmiert dort als „Streetballfield“.

Daß die außergewöhnliche Kunstaktion nicht nur als Erinnerung im Stadtarchiv überlebte, ist zahlreichen Sponsoren zu verdanken und einem aufwendigen Verfahren. Kilppers Holzschnitt war vor dem Abriß der Basketballhalle in Einzelteile zerlegt worden. Davon wurden Negativformen aus Silikon gegossen und diese dann mit Feinbeton gefüllt. Die entstandenen Platten geben den Holzschnitt detailgenau wieder. Kilpper will noch einen Basketballkorb aufstellen lassen, um an den alten Raumeindruck zu erinnern. Insgesamt hat die Rekonstruktion 175.000 Euro gekostet, die Sponsoren aufbrachten, darunter viele Firmen, aber auch die Hessische Kulturstiftung und der Verein der Freunde der Städelschule.

Die Eröffnungsfeier am Sonntag beginnt um 14 Uhr und dient gleichzeitig dem Rückblick auf 25 Jahre offene Kinder- und Jugendarbeit in der Stadt. Der ehemalige Leiter des Frankfurter Museums für Moderne Kunst, Jean-Chris Ammann, wird einige Erläuterungen zu dem Kunstwerk geben.

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 14.09.2002

Backstube | 1997 – 2004

gemeinhin produzieren künstler bilder. mit der installation backstube ist die möglichkeit zur herstellung von sprengsätzen geschaffen. in einer aus gebrauchten holzplatten zusammengebauten hütte gibt es alle bestandteile die notwendig sind, um sich als bombenleger zu betätigen. feuerlöscher und gasflaschen als metallbehälter, diverse chemikalien zur herstellung des sprengstoffs, werkzeug, elektronikteile, zu zeitzündern umgebaute wecker, bücher zum politischen hintergrund. eine schreibmaschine ist offensichtlich für das verfassen von tatbekennungen vorgesehen.
wird hier der künstler etwa zum bombenbastler und potentiellen bombenleger? bomben statt bilder?
was geht hier vor sich? soll angegriffen werden – wer oder was – warum und wofür?
backstube entstand 1997. die arbeit wurde bis jetzt an drei verschiedenen orten gezeigt. in der kunsthalle schirn, frankfurt (frankfurter kreuz, 2001), in der „sommerpalast”-ausstellung von markus ambach in neuss (2002-03) und auf der kunstmesse art, 2004 in frankfurt. jedesmal stösst sie andere fragen an. jedesmal legt sie widersprüche offen. beispielsweise stehen die gebrechlichkeit der hütte und die ärmlichkeit ihrer einrichtung in kontrast zu dem offensichtlichen streben nach macht